Tragische Unfälle auf dem Nürburgring 1965 - 1974

1965 - 1966 - 1967 - 1968 - 1969 - 1970 - 1971 - 1973

1965

XI. Internationales ADAC-1000km-Rennen

23. Mai 1965

Die Luxemburger Nicolas Koob und Honore Wagner waren mit einem Alfa Romeo Giulia TZ gestartet. In der 19. Runde verunglückte der mehrfache luxemburgische Meister Honore Wagner im Streckenabschnitt "Kallenhardt". Er stürzte mit seinem Alfa einen Steilhang hinunter, wobei er tödliche Kopfverletzungen erlitt.

  
Mit der Startnummer 85 der Alfa Romeo Giulia TZ mit dem Honore Wagner im Rennen tödlich verunglückte.
Dahinter der Ferrari 250 GTO von Peter Sutcliffe und Peter Lumsden.

Rennbericht und Bilder unter -> PS Nürburgring - 1000-Kilometer-Rennen 1965

 

 

1966

28. Großer Preis von Deutschland

8. August 1966

Feuerunfall mit Spätfolgen

Erstmalig in der Geschichte der Formel 1 fuhren auch Formel 2-Wagen im gleichen Rennen mit. John Taylor konnte sich im Training mit seinem Formel 1-Wagen als 17. knapp vor Jacky Ickx im Formel 2-Wagen behaupten. Bei immer wieder einsetzenden Regen gingen 18 Formel-1-Wagen und 10 Formel-2-Wagen auf die 15 Runden Distanz. Schon in der ersten Runde kollidierten John Taylor (Brabham BRM BT11) und Jacky Ickx (Matra MS5) im Streckenabschnitt Flugplatz. Der Brabham von John Taylor ging in Flammen auf. Jacky Ickx zog John Taylor aus den Flammen. Mit Verbrennungen 2. Grades wurde John Taylor ins Krankenhaus nach Koblenz gebracht. Nachdem zuerst die Nachricht kam, dass John Taylor außer Lebensgefahr sei, verschlechterte sich sein Zustand. 4 Wochen nach dem Unfall verstarb John Taylor am 9. September an einer Infektion. John Taylor fuhr seit 1958 Rennen. 1966 fuhr John Taylor seine ersten Rennen in der Formel 1. Ironie des Schicksals: Bruce McLaren konnte zum Großen Preis von Deutschland nicht antreten und John Taylor übernahm den Wagen von Bruce McLaren.


John Taylor (Brabham BRM) im Training. Im Rennen kollidierte er in der ersten Runde an der Quiddelbacher Höhe mit Jacky Ickx. Der Wagen fing Feuer. Wochen nach dem Unfall verstarb John Taylor.

 
 Rennbericht und Bilder unter -> PS Nürburgring - Großer Preis von Deutschland 1966

 

 

1967

Gleichmäßigkeitsprüfung / Rallye

16. Mai 1967

Rainer und Bernd Dangel nahmen am 16. Mai 1967 an einer Gleichmäßigkeitsprüfung teil. Im Verlauf dieses Wettbewerbs kamen sie mit ihrem Opel Kadett von der Strecke ab. Die Verletzungen von Rainer Dangel waren tödlich.

 

3. ADAC-12-Stunden-Sonderprüfungsfahrt Nürburgring 1967

Ring-Neuling verlor Orientierung auf dem Ring

Der Motorsport-Club Langenfeld führte die 3. ADAC-12-Stunden-Sonderprüfungsfahrt Nürburgring im Juni 1967 durch. Die Streckenlänge betrug 480 Kilometer ohne Fahrerwechsel. Ein Beifahrer konnte an der Prüfungsfahrt teilnehmen. 

114 Fahrzeuge starteten zur Prüfungsfahrt. In Wertung erreichten 96 Fahrzeuge das Ziel. Der Start erfolgte um 21:00 Uhr. Die Teilnehmer wurden mit 5 Sekunden Abstand gestartet. 

Das Reglement sah vor, dass die vorgeschriebenen Rundenzeiten nach den PS der Fahrzeuge festgelegt wurden. Ein Wagen mit weniger als 30 PS musste die Nordschleife innerhalb von 18:10 Minuten umrunden. Bei den Fahrzeugen mit mehr als 125 PS lag die Sollzeit beispielsweise bei 15:30 Minuten. Da die 12-Stunden-Sonderprüfungsfahrt bei trockenem Wetter abgehalten wurde, kamen die "Regenzeiten" nicht zum Einsatz. Bei Regen wären die Sollzeiten um 1:30 Minuten erhöht worden.

In der 4. Runde verunglückte der Münsteraner Helmut Bernsmann mit seinem BMW 1600/2 in der Bergwerkkurve tödlich. Sein Beifahrer Karl Räckers erlitt einen Oberarmbruch. Laut Aussage der Streckenposten fuhr Helmut Bernsmann vor der Rechtskurve auf der rechten Fahrbahnseite, obwohl die Bergwerkskurve von der linken Seite in einem möglichst großen Radius angefahren wird. Ohne Lenkbewegung fuhr Helmut Bernsmann geradeaus. Helmut Bernsmann war Ring-Neuling gewesen. 

 

Großer Preis von Deutschland

5. August 1967

Zuschauer am Streckenrand

Das Rennen um den AvD-Rheinland-Pfalz-Preis für Touren- und GT-Wagen Im Rahmenprogramm wurde am Samstag um 17:00 Uhr nach dem Training der Formel 1 gestartet. Der Ludwigsburger Roland Cantz kam mit seinem Mercedes Benz 300 SE im Streckenabschnitt Hohe Acht in der Rechtskurve von der Strecke ab und raste in eine Gruppe von Zuschauern, die sich in der Sperrzone aufhielten. Ein Zuschauer starb sofort an der Unfallstelle, 8 weitere Zuschauer wurden verletzt. Von diesen achten Verletzten verstarben zwei einige Tage später im Krankenhaus.

Rennbericht und Bilder unter -> PS Nürburgring - Großer Preis von Deutschland 1967


In Berichten zum Großen Preis von Deutschland wird von 2 Todesopfern gesprochen. Das dritte Todesopfer starb erst einige Tage nachdem die Berichte zum Rennen veröffentlicht wurden. Rudolf Rehker veröffentlichte 1978 seine Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde mit dem Titel "Unfälle auf dem Nürburgring in den Jahren 1967 - 1971 unter Berücksichtigung der Unfallverhütungsvorschriften und des Rettungsdienstes". In seiner Dissertation berichtet Rudolf Rehker von 3 Todesopfern. In einem Gespräch mit Rudolf Rehker im Januar 2006 erzählte mir Rudolf Rehker von dem dritten Todesopfer, dass er über die Krankenakten des Krankenhauses in Adenau und der Universitätskliniken in Köln und Bonn ermittelt hatte.

 

84h Marathon de la Route

22. - 26. August 1967

Der Belgier Georges Berger verunglückte am 23. August morgens um 4:00 Uhr mit seinem Porsche 911 im Streckenabschnitt Pflanzgarten tödlich.

Makaber: Der verunfallte Wagen wurde von einigen Zuschauern innerhalb kürzester Zeit vollständig geplündert.

 

 

1968

ADAC 500km-Rennen

30. August 1968

Rennfahrerlizenz trotz Handicap

Zu Beginn des Trainings zum 500 km-Rennen verunglückte der im Tourenwagen-Europapokal bis 1000 ccm führende 25jährige Niederländer Abertus Goedemans tödlich. Mit seinem Abarth 1000 SP wollte er kurz hinter der Brücke bei der Antoniusbuche einen Wankel-Spider überholen. Dabei kam er auf die Grasnarbe und überschlug sich. Obwohl Abertus Goedemans angeschnallt war, wurde er aus dem Wagen geschleudert und erlitt tödliche Kopfverletzungen. Er hatte seinen Helm beim Unfall verloren.

Vermutlich wurde der Unfall durch einen Fahrfehler hervorgerufen. Von Schuld bei diesem Unfall zu sprechen ist schwierig. Jedoch hatte Abertus Goedemans wie auch sein Club fahrlässig gehandelt. Abertus Goedemans war auf einem Auge fast blind. Trotzdem erhielt er von seinem Club die Rennfahrerlizenz ausgestellt.

Beim 6-Stunden-Tourenwagenrennen im gleichen Jahr auf dem Nürburgring hatte sich Abertus Goedemans einer ärztlichen Untersuchung entzogen, in dem er einen Mechaniker zum Gesundheitscheck geschickt hatte. Diese Täuschung blieb damals unbemerkt.  

 

 

1969

1. ADAC Zuverlässigkeitsfahrt Nürburgring

26. Juli 1969

Die 1. ADAC Zuverlässigkeitsfahrt Nürburgring am 26. Juli wurde von den Motorsportfreunden Saar (Dillingen) ausgerichtet. In der Arembergkurve überschlug sich ein 28jährige Fahrer mit seinem Fiat 850 und wurde tödlich verletzt.

 

Großer Preis von Deutschland

2. und 3. August 1969

Tödlicher Unfall von Gerhard Mitter

In der letzten Trainingsrunde am Freitagnachmittag, den 1. August 1969, verunglückte der 33jährige Gerhard Mitter bei Kilometer 4,9 im Abschnitt Schwedenkreuz aus unbekannten Gründen. Gerhard Mitter verstarb an der Unglücksstelle. Es wurden verschiedene Theorien zum Unfallhergang angestellt. Die genaue Unglücksursache wurde nie geklärt. Augenzeugen zum Unfallhergang fehlten.


Gerhard Mitter eingangs des Streckenabschnitts Schwalbenschwanz.
Eine halbe Runde weiter im Streckenabschnitt Schwedenkreuz verunglückte Gerhard Mitter tödlich.


Gerhard Mitter im Fahrerlager

Das BMW-Team zog im Einverständnis mit Hubert Hahne, Dieter Quester und der Rennleitung die beiden anderen BMW-Formel-2-Wagen zurück. Auch Hans Herrmann verzichtet auf den Start.

 

 Rennbericht und Bilder -> PS Nürburgring - Großer Preis von Deutschland 1969

 

 

1970

ADAC 300km-Rennen

19. April 1970

Während dieser Motorsportveranstaltung gab es mehrere schwere Unfälle, von denen 2 tödlich endeten.

Im Freitagtraining der Formel V verunglückte Hans-Dieter Fröhle (23 Jahre) im Streckenabschnitt "Schwedenkreuz" gegen 18:00 Uhr tödlich. Hans-Dieter Fröhle kollidierte mit zwei weiteren Fahrzeugen. Für Hans-Dieter Fröhle wäre der Lauf um den ONS-Pokal das zweite Rennen seiner kurzen motorsportlichen Laufbahn gewesen.

Am Samstag, den 18. April, gab es im Streckenabschnittt "Schwedenkreuz" erneut einen tödlichen Unfall. Zum Ende des Trainings (17:45Uhr) der GT- und Tourenwagen verunglückte ein 30jähriger Porsche-Fahrer.

Info: Bei dem Porsche-Fahrer könnte es sich um den Kölner Klein handeln. Er wurde mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert. Er hatte zuvor die schnellste Trainingszeit der GT-Wagen über 2000 ccm Hubraum in 10:02,1 Minuten erzielt.

 

33. ADAC-Eifelrennen

Großer Preis der Motorräder

3. Mai 1970

Verregneter Motorrad-GP mit rutschiger Fahrbahn

Beim Großen Preis der Motorräder 1970 während der traditionellen Motorsportveranstaltung „Eifelrennen“ am 3. Mai stürzte der Engländer Robert Fitton im Rennen der 500er Maschinen im Streckenabschnitt "Wippermann". Er prallte in die Leitplanken und verblutete.

 

16. Internationalen ADAC-1000-Kilometer-Rennen

31. Mai 1970

Einstellfahrt im Training endete tödlich

Beim Training zum 16. Internationalen ADAC-1000-Kilometer-Rennen 1970 hob der Porsche 908 vom Finnen Hans Laine (25 Jahre) auf der langen Geraden zur Antoniusbuche ab, überschlug sich um die Längsachse und brannte aus. Der Porsche 917 des finnischen AAW-Teams mit den Fahrern Pauli Toivonen und Sten Axelsson wurde danach vom Rennen zurückgezogen.

 

Großer Preis der Tourenwagen (6h-Rennen)

12. Juli 1970

"Reifendefekt in der letzten Runde"

Herbert Schultze und Reinhard Stenzel starteten auf einem Alfa Romeo 2000 GTA. In der 36. und letzten Runden kam Herbert Schultze aufgrund eines Reifenschadens in der ersten Rechtskurve vor dem Streckenabschnitt "Hatzenbach" von der Strecke ab, stürzte eine Böschung hinunter und wurde tödlich verletzt. 

 

 

1971

34. Internationales Eifelrennen

30. April bis 2. Mai 1971

Sicherheit auf der Nordschleife ausreichend?

Vittorio Brambilla ging zusammen mit seinem Bruder Ernesto für die Scuderia Ala D’Oro jeweils mit einem Brabham BT30 an den Start. Die Sicherheit der Rennfahrer und Zuschauer sollte durch den Umbau der Nordschleife in den Wintermonaten 70/71 und der Montage von Leitplanken erhöht werden. Leider kann eine Rennstrecke nur so sicher sein wie alle Beteiligten das Thema Sicherheit leben.

Während des Rennens kam Vittorio Brambilla in der 3. Runde im Streckenabschnitt „Kallenhardt“ von der Strecke ab und verletzte dabei eine Zuschauerin schwer. Die Zuschauerin hatte sich in der Sperrzone aufgehalten. Einen Tag später erlag die Zuschauerin ihren schweren Verletzungen.

P.S.: Dieser Unfall mit tödlichem Ausgang blieb 1971 die einzige Tragödie am Ring während einer Motorsportveranstaltung.

 

 

1973

Großer Preis von Deutschland

4. August 1973

Ein Drachenflieger über der Grünen Hölle  


Bernd Rauschenwald mit dem Drachensegler in Höhe der Haupttribüne.

Im Show-Programmteil zum Großen Preis von Deutschland 1973 ließ sich der 32jährige Österreicher Bernd Rauschenwald mit einer Art Drachensegler im Schlepptau eines Rennwagens am Samstag nach den Trainingsläufen über die Start- und Zielschleife des Nürburgrings ziehen. Bernd Rauschenwald trug eine Art Ski mit Rollen, um von dem Wagen in die Höhe gezogen zu werden und später wieder landen zu können.

Was als Unterhaltung für das Publikum geplant war, endete in einem Desaster. An einem ca. 50 Meter langen Seil hängend stürzte Bernd Rauschenwald unvermutlich durch starken Seitenwind aus einer Höhe von 15 bis 20 Metern in eine Zuschauergruppe neben der Gegengeraden. Bei dem Unfall erlitt Bernd Rauschenwald lebensgefährliche und sieben weitere Zuschauer zum Teil schwere Verletzungen. Bernd Rauschenwald verstarb kurze Zeit später an seinen Verletzungen.

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Für die Bilder und Informationen zum Unfall von Bernd Rauschenwald bedanken wir uns bei:
- Dirk Rommelsheim
- Alf Schwartz

Quellen: Aufzeichnungen Manfred Rommelsheim, Stern, Westfälische Nachrichten, Alf Schwartz

 

Meisterschaftslauf für Serien-Motorräder

Oktober 1973

Die Dauerprüfungen wurden auf der Südschleife mit der Streckenvariante Stichstraße (ohne Start- und Zielschleife) gefahren. Die Gesamtstrecke betrug 405,8 km für alle Klassen über 350 ccm bzw. 205,5 km für die Klassen unter 350 ccm Hubraum. Nach der Hälfte der Distanz wurde eine Sprintrunde über 5,13 km eingelegt. Dabei verunglückte Rüdiger Schwietring aus Obernkirchen tödlich. Er stürzte im Streckenabschnitt "Bocksberg" in der Rechtskurve mit seiner Honda 750.

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