Tragische Unfälle auf dem Nürburgring 1955 - 1964

1955 - 1957 - 1958 - 1959 - 1961 - 1962 - 1963 - 1964

1955

 

XVIII. Int. ADAC-Eifelrennen

29. Mai 1955

Demonstrationsfahrt im „fliegenden Liegestuhl“

1951 stellte NSU mit seinen Motorrädern Geschwindigkeits-Weltrekorde in der 350er und 500 ccm-Klasse auf. Inspiriert durch diese Meldung entwarf der Grafiker Gustav Adolf Baumm ein Motorrad, das der Fahrer auf dem Rücken liegend steuern konnte, ähnlich den heutigen Liegefahrrädern. Dadurch wurde eine sehr niedrige Bauhöhe des „fliegenden Liegestuhls“ (ca. 75 cm) erreicht. Gustav Adolf Baumm konnte NSU für seine Idee gewinnen. Als freier Mitarbeiter für NSU entwarf er 2 Typen dieses Motorrads (Baumm 1 und Baumm 2) und stellte damit 1954 11 neue Geschwindigkeits-Weltrekorde auf.

Um das sichere Fahrverhalten zu beweisen, fuhr Adolf Gustav Baumm mit seinem „Baumm“ eine Demonstrationsrunde vor dem Start zum Eifelrennen. Bei dieser Demofahrt kam er im Streckenabschnitt Wippermann von der Strecke ab und verunglückte tödlich.

 

Großer Preis von Deutschland

26. Juni 1955

Der Nürburgring bekam dieses Jahr den Vorzug vor der Solitude-Rennstrecke bei Stuttgart für den Großen Preis von Deutschland für Motorräder. Im Rennen gab es leider einen tödlichen Unfall.

Der argentinische Motorradfahrer Armando Poggi legte sofort nach dem Start ein unglaubliches Tempo vor. Dies wurde ihm im Streckenabschnitt Arembergkurve zum Verhängnis. Er fuhr die Kurve zu schnell an, stürzte und brach sich u.a. beide Arme. Der ihm folgende Ricardo Calvagni konnte die Unfallstelle passieren und fuhr das Rennen weiter. Zwischenzeitlich war ein Rettungswagen zur Unfallstelle geeilt. In der zweiten Runde war Ricardo Calvagni überrascht, den Rettungswagen auf der Rennstrecke zu sehen und er fuhr ohne zu Bremsen geradeaus und stürzte im Streckenabschnitt Fuchsröhre die Böschung hinunter. Mit einem Genickbruch war er sofort tot.

 

Internationales ADAC 500km-Rennen / Großer Preis der Sportwagen

28. August 1955

Unfall im Brünnchen

Viktor Spingler verliert im Streckenabschnitt Brünnchen die Kontrolle über seinen Porsche 356 und prallt in die Begrenzungsmauer der Brücke.

 

 

1957

Mai 1957

Polizist in der Sperrzone

Bei einem Rennen im Mai 1957 hatte sich ein Polizist an der Außenseite der schnellen Rechtskurve im Streckenabschnitt Pflanzgarten postiert. Der Zutritt in diese Zone war für Zuschauer polizeilich verboten. Während des Rennens wurde der Polizist von einem schleudernden Rennwagen erfasst und tödlich verletzt. Seitdem ist auch für Polizisten und Streckenposten diese Zone absolutes Sperrgebiet.

Info: Um welches Rennen es sich hierbei handelte, ist leider nicht geklärt.

 

 

1958

4. Internationales 1000km-Rennen

1. Juni 1958

 

Das Rennen gewinnen nach 44. Runden Stirling Moss und Jack Brabham auf einem Aston Martin. Nach der Zieldurchfahrt wird auch Erwin Bauer (Ferrari 250 TR) die Zielflagge gezeigt. Er übersieht jedoch die Zielflagge und fährt das Rennen weiter. In der - für ihn - 41. Runde verunglückt er tödlich.

 

20. Großer Preis von Deutschland

3. August 1958

Beim 20. Großen Preis von Deutschland am 3. August 1958 kommt Peter Collins in der 11. Runde im Streckenabschnitt Pflanzgarten von der Strecke ab und wird aus dem Wagen geschleudert und prallt gegen einen Baum. Wenig später verstirbt er an einem Schädelbasisbruch in der Bonner Universitätsklinik.

 

 

1959

5. Internationales ADAC 1000-Kilometer-Rennen

7. Juni 1959

Mit 67 Startern wurde ein neuer Teilnehmerrekord bei dem 1000-Kilometer-Rennen verzeichnet. Die Schweizer Fausto Meyrat und Stefan Brugger bildeten ein Fahrerduo. Sie waren mit einem Auto Union RS 1080 am Start. In der achten Runde touchierte Stirling Moss bei der Überrundung im Streckenabschnitt Kesselchen den Wagen von Fausto Meyrat. Der Wagen kam von der Strecke ab und überschlug sich. Fausto Meyrat verstarb 2 Tage nach dem Unfall an den schweren Verletzungen.

 

Rennbericht und Bilder -> PS Nürburgring - 1000-Kilometer-Rennen 1959

 

 

1961

24. Int. ADAC Eifelrennen

30. April 1961

Dunkle Wolken über dem Eifelrennen

Das traditionsreiche Eifelrennen wird von zwei tödlichen Unfällen bei den Motorradklassen auf der Südschleife überschattet.

500er Klasse

In der fünften Runde rutschte die Norton von Dickie Dale in der schnellen Rechtskurve im Streckenabschnitt Bocksberg weg. Dickie Dale, der sich von der Maschine löste, wurde im Streckenzaun gegen einen Stützpfosten geschleudert, der ihn schwer verletzte. Dale fiel auf die Straße zurück und wurde an den Beinen von seiner ebenfalls vom Zaun zurückgeworfenen Maschine getroffen. Dickie Dale wurde sofort mit einem Hubschrauber zur Universitätsklinik nach Bonn geflogen. Trotzdem kam jede ärztliche Hilfe zu spät.

 

Seitenwagen

Im Rennen der Motorräder mit Seitenwagen endet das Duell zwischen Helmut Fath und Camathias tragisch Zwischen Kilometer 4 und 5, in der kaum merklichen Rechtskurve im Streckenabschnitt Rassrück, die voll gefahren wird, kommt das Gespann von Fath / Wohlgemuth im Kampf um Platz 1 von der Bahn. Wohlgemuth erleidet tödliche Verletzungen. Helmut Fath muss mit komplizierten Beinbrüchen und einer gebrochenen Hand für mehrere Monate ins Krankenhaus. Später wird ihm noch ein Unterschenkel amputiert.

Kommentar zur Sicherheit auf der Südschleife nach den beiden tödlichen Unfällen:

Zur Südschleife, bzw. zur Straßendecke ist zu sagen, dass belagmäßig an ihr nichts auszusetzen ist. Die Streckenführung ist interessant, schwierig und dadurch reizvoll. Die Sicherheitszonen für Zuschauer sind hervorragend durch Zäune abgegrenzt. Hinsichtlich dieser Absicherung hat man aber fast des Guten zu viel getan, denn durch die häufig sehr nahe an der Strecke stehenden Zäune hat der Fahrer das Gefühl, eingeengt zu sein. Es geht aber nicht darum, nur Sicherheitszonen für die Zuschauer zu schaffen, sondern man muss doch auch darauf achten, dass vor den Zäunen genügend Raum bleibt, um einen stürzenden Fahrer nicht mit voller Wucht auf einen Zaun auftreffen zu lassen. Durch die genügend breite Sicherheitszone für die Fahrer wäre die Möglichkeit gegeben, diesen Aufprall zu verhindern, weil Mann und Maschine durch Rutschen und Gleiten sich auskreiseln können.

 

Testfahrten in der Formel Junior

Mai 1961

Erich Bode verunglückte im Streckenabschnitt Fuchsröhre bei privaten Testfahrten mit einem TCA Formel-Junior-Rennwagen im Mai 1961 tödlich. Als eine Unfallursache wird angenommen, dass der Motor durch die Kompression in der Senke der Fuchsröhre blockierte. Erich Bode wurde aus dem Wagen geschleudert und war sofort tot. Der Unfallwagen von Erich Bode ist in der Villa Trips in der "Garage" zu besichtigen.


Die Überreste des TCA von Erich Bode in der Villa Trips.

Der TCA war einer von sieben Formel-Rennwagen, die Wolfgang Graf Berghe von Trips zusammen Valerie Colotti gebaut hatte. Daher auch die Abkürzung TCA:
T = Trips
C = Colotti
A = Auto-Union oder Automobilisti

Die Karosserie des TCA wurde vom Ferrari-Karosseriebauer Medaro Fantuzzi entworfen und gefertigt.

Ein erhaltener TCA-Formel-Wagen (mit der Fahrgestellnummer 002) steht im Museum der Villa Trips.


Links: Ein DeTomaso-Formel-Junior-Rennwagen, den Wolfgang Graf Berghe von Trips 1960 in den Vereinigten Staaten gekauft hatte. Der Wagen wurde der von ihm gegründeten Scuderia Colonia kostenlos für den Motorsportnachwuchs zur Verfügung gestellt.
Rechts: Der TCA mit der Fahrgestellnummer 002.

Weitere Informationen gibt es auf der offiziellen Homepage 

http://www.rennsportgeschichte.de/

oder

hautnah direkt vor Ort im Museum Villa Trips in Kerpen-Horrem.

:
Wir danken Jörg-Thomas Födisch für die weiteren Informationen zum Unfall von Erich Bode und der Geschichte des TCA.

 

 

1962

Internationales ADAC-1000-Kilometer-Rennen

27. Mai 1962

Tödlicher Unfall bei den Touristenfahrten

Ein tödlicher Unfall bei den Touristenfahrten wurde in diversen Print-Medien zum Anlass genommen, den Unfall dem 1000-Kilometer-Rennen 1962 zuzuordnen. Die Presse datierte den Unfall mal auf den 25. Mai 1962 (Freitag) oder auf den 26. Mai 1962, also dem Trainingssamstag.

Tatsächlich ereignete sich der Unfall am Mittwoch, 23. Mai 1962, gegen 19:30 Uhr am Start- und Zielplatz bei den Touristenfahrten. Trotzdem stand der Unfall in direktem Zusammenhang mit dem 1000-Kilometer-Rennen. Für das Rennen waren die Briten Robert Snow und Ted Lund mit einem Austin-Healey-Sebring-Sprite eingeschrieben. Um sich auf das 1000-Kilometer-Rennen vorzubereiten, hatte Robert Snow ein 10-Runden-Ticket gelöst. Ob Robert Snow mit dem Austin-Healey die Touristenfahrten unternahm ist nicht bekannt. Bei einer dieser Runden auf der Nordschleife wurde der Schüler Klaus Heuer aus Bonn von Robert Snow am Start- und Zielplatz angefahren und tödlich verletzt. Die Aufsichtspflicht bei den Touristenfahrten oblag der Nürburgring GmbH, die für diese Fahrten eine feste Fahrordnung vorgeschrieben hatte.

Nach dem Unfall verzichteten Robert Snow und Ted Lund auf die Teilnahme am 1000-Kilometer-Rennen 1962. 

 Rennbericht und Bilder -> PS Nürburgring - 1000-Kilometer-Rennen 1962

 

III. Internationales ADAC 500km-Rennen

2. September 1962

Der Spanier Juan Andrés Molins verunglückt mit seinem BMW 700S tödlich. Er war in der Tourenwagenklasse bis 700 ccm am Start.

Info: Unklar ist, ob Juan Andrés Molins im Training oder im Rennen verunglückte.

 

 

1963

Internationales ADAC-12-Stunden-Rennen für Tourenwagen

14. Juli 1963

Michael Rader tödlich verunglückt

 

Das sehr spannende 12-Stunden-Rennen für Tourenwagen 1963 wurde leider von einem tödlichen Unfall überschattet. Michael Rader (Burscheid) verunglückte in den ersten 3 Stunden des Rennens mit seinem Alfa Romeo 1,3 Liter im Streckenabschnitt "Schwedenkreuz" schwer. Der Alfa überschlug sich mehrmals. Mit einem Rettungshubschrauber wurde Michael Rader in die Bonner Universitätsklinik geflogen. Auf dem Transport erlag er seinen schweren Verletzungen. Zum Zeitpunkt des Unfalls lag Michael Rader in der Klasse 5 "bis 1300 ccm Hubraum" in Führung. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Michael Rader in der Klasse bis 1300 ccm die schnellste Runde mit 11:44,9 Minuten gefahren. Beim vorjährigen 12-Stunden-Rennen konnte Michael Rader mit seinem Teamkollegen Hans Bergmann seine Klasse des 12-Stunden-Rennens gewinnen.

 Rennbericht und Bilder -> PS Nürburgring - 12-Stunden-Rennen 1963

 

25. Großer Preis von Deutschland

4. August 1963

Sanitär am Streckenrand wird tödlich verletzt

Willy Mairesse hob in der 3. Runde mit seinem Ferrari auf der Kuppe im Streckenabschnitt Flugplatz von der Fahrbahn ab. Bei der Landung löste sich eingangs der Rechtskurve ein Vorderrad. Das Rad wird im hohen Bogen über die Zuschauer in die Eifelbüsche katapultiert. Willy Mairesse selbst wird aus dem Wagen geschleudert und schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht.

Der Ferrari wird für einen Sanitäter am Fahrbandrand zum tödlichen Geschoss.

 

Eifelpokal-Rennen

29. September 1963

Das Eifelpokal-Rennen war gleichzeitig auch der Endlauf um den Junioren-Pokal. Ein kalter Wind pfiff über die Eifelberge. 30.000 Zuschauer hatten sich an der Südschleife eingefunden. Schon im Training gab es zwei Stürze mit tödlichem Ausgang.

Im Training der 125 ccm Klasse fuhr Dieter Schmicking die Trainingsbestzeit und stellte einen neuen Rundenrekord für Ausweisfahrer mit 3:58,8 Minuten (= 116,8 km/h) auf. Nach seiner Bestzeit verunglückte er tödlich. Seine Trainingszeit wurde von keinem anderen Teilnehmer mehr erreicht. So blieb sein Startplatz beim Rennen leer.

Ebenfalls verunglückte Axel Kaska im Training tödlich.

 

 

1964

Internationales ADAC 1000-Kilometer-Rennen

31. Mai 1964

Havariertes Fahrzeug am Streckenrand

Beim Training zum 1000-Kilometer-Rennen 1964 kam es zu zwei tödlichen Unfällen.

Am Freitagnachmittag wurde der 35jährige Brite Brian Hetreed mit seinem Aston-Martin DP214 (Startnummer 92) aus der Bergwerkskurve hinausgetragen. Der Wagen überschlug sich und stürzte die Böschung hinunter. Beim Transport in das Adenauer Krankenhaus verstarb Brian Hetreed.

Kurz vor Ende des Trainings am Samstag gab es gegen 11:00 Uhr erneut einen tödlichen Unfall. Der 49jährige Frankfurter Rudolf Moser korrigierte in der Rechtskurve des Streckenabschnittes Tiergarten seinen driftenden Porsche 904 GTS (Startnummer 47) zu stark und schleuderte auf ein dort abgestelltes, havariertes Fahrzeug. Rudolf Moser war auf der Stelle tot. Rudolf Moser war Präsident des Deutschen Sportfahrerkreises, Sportleiter des Frankfurter Automobilclubs und Veranstalter der Rallye Bad Homburg.  

 Rennbericht und Bilder unter -> PS Nürburgring - 1000-Kilometer-Rennen 1964

 

Großer Preis von Deutschland

2. August 1964

Führte eine defekte Felge zum Unfall?

24 Piloten kämpften um einen der 22 Startplätze. Der Holländer Karel Graf de Beaufort stand auf dem 23 Startplatz als an seinem Wagen eine defekte Felge entdeckt wurde. Trotzdem startete de Beaufort noch zu einer gezeiteten Runde. Er verunglückte mit seinem Porsche 718 im Streckenabschnitt Bergwerk schwer. Einen Tag später erlag er seinen schweren Verletzungen.
 Rennbericht und Bilder unter -> PS Nürburgring - Großer Preis von Deutschland 1964

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