Die Nürburg

Das Eifelvolk weiß von der Nürburg folgende Sage :

   

Vor langen, langen Zeiten lebte hier ein schönes Burgfräulein in Reichtum und Pracht. Aber davon wurde ihr Herz nicht zufrieden. Denn sie liebte weder Ruhe noch Bequemlichkeit und sehnte sich nach einem frischen Leben. So kam es, daß die Edeldame eine kühne Reiterin wurde. Sie kaufte sich das schnellste Pferd, jagte bergauf und bergab, sprang über Hürden und Bäche und trabte zuletzt auf ihrem Pferde rings um die hohe Mauer der Burg, so daß sich alle Welt ob ihres unerhörten Mutes entsetze und des verwegenen Rittes halber ihr Name weit und breit berühmt wurde.

   Von allen Seiten kamen Ritter und Junker zur Nürburg und begehrten die schöne, kühne Reiterin zum Weibe. Sie aber wollte sich nur dem angeloben, der mit ihr um die Wette um den Mauerkranz der väterlichen Burg ritt. Wohl gab es viele, die mit ihr über die Hürden gingen; aber keiner wagte den Halsbrecherischen Ritt über die Mauer. Ein Freier nach dem anderen zog wieder heim. So wurde es bald einsam um die Burg und dem Burgfräulein. Die verschmähten Liebhaber nannten ihren Mut Vermessenheit und ihre hohe Reitkunst eine Trugspiel des Teufels. Darüber wurde das Burgfräulein zornig und verbittert und schloß sich von ihresgleichen ab.

 Eines Tages ritt sie mit einem jungen Knecht aus. Es gab ein scharfes und hitziges Rennen, in dem der Knecht immer an ihrer Seite blieb. Zuletzt hieß sie ihn an der Burgmauer warten, bis sie zurückkomme. Sie wollte wieder einmal den gefährlichen Ring abreiten. Der Knecht gehorchte schweigend. Als sie aber die Hälfte des gefährlichen Weges zurückgelegt hatte, kam der Knecht auf seinem Pferde in entgegengesetzter Richtung auf sie zu, machte ihr dicht am Abgrund höflich Platz, wendete sein Pferd und ritt hinter ihr her. Sie war von dieser Kühnheit und Geschicklichkeit so begeistert, daß sie ihn darob von Herzen lieb gewann und ihn allen Wiederständen zum Trotz zum Ehegemahl erkor.

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Das ist die Sage vom Nürburgring. Wo früher das Burgfräulein im wilden Galopp auf schmalen Waldpfaden dahinstürmte, rasen jetzt “Tausende Pferde” mit einem nerven- aufpeitschendem Geheul. So ändern sich die Zeiten. Jetzt ist die Nürburg Wahrzeichen des deutschen Motorsports geworden.

 

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