Großer Preis von Europa

1. August 1954


Bilder: Veit Arenz, Burkhard Köhr, Bernhard Völker; Bericht: Burkhard Köhr

Nordschleife: Streckenlänge 22,810 km

Juan Manuel Fangio mit Mercedes siegreich
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Tödlicher Unfall von Onofre Marimon

    

Der Große Preis von Europa fand erstmalig in Deutschland statt. 300000 Zuschauer pilgerten am Sonntag zum Ring. 

Auf dem Nürburgring feierten die neuen unverkleideten W196-Mercedes-Rennwagen ihre Premiere. Die Rennwagen kamen erst am Freitagabend am Ring an. Die Silberpfeile mit den unverkleideten Rädern sollten Vorteile auf kurvenreichen Strecken gegenüber den Stromlinien-Rennwagen bringen. Da der unverkleidete Mercedes-Rennwagen von Hans Herrmann nicht rechtzeitig fertig wurde, musste Hans Hermann mit dem Stromlinien-Rennwagen beim Großen Preis von Europa starten. 

 

Training

Onofre Marimon verunglückte mit dem Werks-Maserati kurz vor Ende des Freitag-Trainings tödlich. Im dem Bergabstück zum Wehrseifen blockierte das linke Vorderrad, der Maserati drehte sich und flog kopfüber nach der letzten Linkskurve vor Wehrseifen durch die Hecke den Abhang hinunter. Der Wagen prallte gegen einen Baum. Onofre Marimon erlag an der Unfallstelle seinen schweren Verletzungen. Onofre Marimon war das erste Todesopfer in der Formel 1 seit Gründung der Weltmeisterschaft 1950. Nach dem Unfall wurde der zweite Maserati-Werkswagen von Luigi Villoresi zurückgezogen. 

Am Mercedes von Karl Kling löste sich in der ersten Trainingsrunde bei Vollgas im Streckenabschnitt Antoniusbuche ein Vorderrad. Karl Kling konnte den Wagen abfangen. Aber ohne eine gültige Trainingszeit musste Karl Kling den letzten Startplatz einnehmen. 

Trainingsbestzeit fuhr Juan Manuel Fangio mit dem brandneuen Mercedes W196 in 9:50,1 Minuten vor Mike Hawthorn (9:53,3 Minuten) und Stirling Moss (10:00,7 Minuten). 

 

Rennen

Rennen der Ausweisfahrer

Am Samstag startete um 14:00 Uhr das Ausweisfahrer-Rennen für Serien- und GT-Wagen in zwei Wertungsklassen: bis 1300 ccm Hubraum und über 1300 ccm Hubraum. Das Rennen ging über 5 Runden. In der großen Klasse siegte Daniel Fowler (Triumph). In der Klasse bis 1300 ccm Hubraum war Siegfried Günther (Porsche) siegreich.

 

Ausweisfahrer-Rennen

GT-Wagen und Seriensportwagen bis 1300 ccm

5 Runden = 114,050 Kilometer
Platz Startnr. Fahrer Marke Zeit Ø km/h Runden
1 106 Siegfried Günther Porsche   95,6 5
2 101 Ludwig Blendl Porsche     5
3 100 Hans Rinne Porsche     5

 

Ausweisfahrer-Rennen

GT-Wagen und Seriensportwagen über 1300 ccm

5 Runden = 114,050 Kilometer
Platz Startnr. Fahrer Marke Zeit Ø km/h Runden
1 114 Daniel Fowler Triumph   109,4 5
2 117 Hans Hämmerle Porsche     5
3 125 Heinz U. Wieselmann Porsche     5

 

 

Rennen der Rennsportwagen, Seriensportwagen und GT-Wagen

Das erste Rennen am Sonntag was das Rennen der Rennsportwagen bis 1500 ccm Hubraum, Seriensportwagen und GT-Wagen bis 1600 ccm Hubraum und Seriensportwagen und GT-Wagen bis 1300 ccm Hubraum. Der Start erfolgte um 10:30 Uhr für die Rennsportwagen. Die weiteren Klassen wurden mit jeweils 3 Minuten Abstand gestartet. 

Hans Herrmann übernahm bei den Rennsportwagen mit dem Porsche 550 die Führung vor drei Markenkollegen. Dann folgte Marquis de Portago mit dem Osca. In der 4 Runde fuhr Marquis de Portago die Rechtskurve vor dem Schwalbenschwanz zu schnell an. Der Wagen wurde weit nach links getragen. Die darauf folgende Linkskurve konnte er nicht mehr auf der richtigen Linie ansteuern, der Rennwagen stellte sich quer und überschlug sich. Auf dem fünften Platz kam Karl-Günther Bechem auf einem der zwei Borgward ins Ziel. Die Borgwards waren nachgemeldet worden und standen nicht im Programmheft. Der zweite Borgward wurde von Hans-Hugo Hartmann pilotiert. Hans-Hugo Hartmann verunglückte und wurde mit mehreren Kieferbrüchen und einem Beinbruch ins Bonner Krankenhaus gebracht.

Im Programmheft war bei den Seriensport- und GT-Wagen ein "Axel Linther" genannt. Es handelte sich hierbei um Wolfgang Graf Berghe von Trips. Da die Eltern von Wolfgang Graf Berghe von Trips die motorsportlichen Ambitionen ihres Sohnes nicht unterstützten, hatte er sich das Pseudonym "Axel Linther" ausgedacht. Allerdings folg der "Schwindel" schon am Ring auf, da die Eltern als Zuschauer vor Ort waren.

Streckenabschnitt Hatzenbach
In der Mitte: Marquis de Portago (Osca)

 

Ein Porsche im Streckenabschnitt Hatzenbach. Richard Trenkel (Startnr. 40) vor H. Niedermayr (Startnr. 43).
Zuschauer im heute nicht mehr zugänglichen Außenbereich vom Hatzenbach.
Porsche, Porsche, Porsche!
Bei den GT- und Seriensportwagen waren bis auf den MG von Norbert Brandon nur Fabrikate aus Zuffenhausen gemeldet.

 

Hatzenbach
Rennsportwagen bis 1500 ccm Hubraum im Streckenabschnitt Hatzenbach. Das Rennen der Rennsportwagen und GT- und Seriensportwagen wurde am Sonntag um 10:30 Uhr mit 3 Minuten Abstand gestartet. Hier ist das Fahrerfeld schon "gemischt".
Startnr. 44: Arthur Rosenhammer (EMW)
Startnr. 87: Hans Lappe (Porsche)
Startnr. 97: Svend Edelsteen (Porsche)
Startnr. 90: "Ernst Conty" (Porsche)

 

Gegengerade
Ernst van Husen (Startnr. 94) noch vor Hans Lappe (Startnr. 87). Hans Lappe belegte bei den Wagen bis 1600 ccm Hubraum den 6. Platz.

 

Mit der Startnummer 56 handelt es sich wahrscheinlich um einen nachgemeldeten Borgward. Adolf Vianden (Porsche 356)
Richard von Frankenberg im Porsche 550 belegte bei den Rennsportwagen den zweiten Platz. Hatzenbach Vorne im Bild: Edgar Barth (EMW) mit Startnummer 45. Er belegte bei den Rennsportwagen den 6. Platz.

 

Hatzenbach Die Rennsportwagen im Hatzenbach. In der 4 Runde fuhr Marquis de Portago die Rechtskurve vor dem Schwalbenschwanz zu schnell an. Der Wagen wurde weit nach links getragen. Die darauf folgende Linkskurve konnte er nicht mehr auf der richtigen Linie ansteuern, der Rennwagen stellte sich quer und überschlug sich. Marquis de Portago erlitt lediglich ein paar Hautabschürfungen. 

 

AvD-Rheinland-Pfalz-Preis

GT-Wagen und Seriensportwagen bis 1300 ccm

7 Runden = 159,670 Kilometer
Platz Startnr. Fahrer Marke Zeit Ø km/h Runden
1 67 Rolf-Friedrich Götze Porsche 356 1:33:08,8 102,9 7
2 68 Manfred Elmenhorst Porsche 356 1:33:47,3 102,2 7
3 66 Max Nathan Porsche 356 1:34:08,7 101,8 7
4 61 Walter Ringgenberg Porsche 356 1:34:25,1 101,5 7
5 62 Harry Bengtsson Porsche 356 1:35:01,7 100,7 7
6 65 Friedrich-Victor Rolff Porsche 356     7
7 69 Hubert Oebels Porsche 356     7
Schnellste Runde: Rolf-Friedrich Götze, Porsche 356, 12:29,6 Minuten = 109,6 km/h

 

AvD-Rheinland-Pfalz-Preis

Seriensportwagen bis 1600 ccm

7 Runden = 159,670 Kilometer
Platz Startnr. Fahrer Marke Zeit Ø km/h Runden
1 81 Arthur Heuberger Porsche 1:29:31,1 107,0 7
2 93 Helmut Glöckler Porsche 1:29:35,6 106,9 7
3 85 Wolfgang Graf Berghe von Trips Porsche 1:29:38,6 106,8 7
4 95 Viktor Spingler Porsche 1:29:43,2 106,7 7
5   Heinrich Sauter Porsche 1:29:44,1 106,6 7
6 87 Hans Lappe Porsche 1:29:53,9 106,5 7
Schnellste Runde: Viktor Spingler, Porsche, 12:09,2 Minuten = 112,6 km/h

 

XVII. Großer Preis von Deutschland

Rennsportwagen bis 1500 ccm

7 Runden = 159,670 Kilometer
Platz Startnr. Fahrer Marke Zeit Ø km/h Runden
1 48 Hans Herrmann Porsche 550 1:18:00,5 122,9 7
2 50 Richard von Frankenberg Porsche 550 1:18:23,3 122,3 7
3 49 Helmut Polensky Porsche 550 1:18:23,9 122,2 7
4 57 Huschke von Hanstein Porsche 550 1:19:04,5 121,4 7
5   Karl-Günther Bechem Borgward 1:19:58,3 120,0 7
6 45 Edgar Barth EMW 1:21:48,0 117,2 7
Schnellste Runde: Richard von Frankenberg, Porsche 550, 10:55,6 Minuten = Ø 125,3 km/h (neuer Rundenrekord)

 

 

Großer Preis von Europa

Vor dem Großen Preis von Europa fuhr Bundespräsident Theodor Heuss, begleitet von Sportfunktionären, eine Ehrenrunde.  

Der Konvoi mit Bundespräsident Theodor Heuss auf der Gegengerade.

 

Der Wagen vom Sportpräsidenten.

 

Den besten Start erwischte Froilan Gonzales. Es folgten Juan Manuel Fangio vor Stirling Moss, Hermann Lang und Hans Herrmann. Die neue Dunlop-Anzeigeturm vermeldete in der ersten Runde am Schwalbenschwanz einen Führungswechsel. Juan Manuel Fangio tauchte als Erster im Start- und Zielbereich auf, vor Froilan  Gonzales und Stirling Moss. In der zweiten Runde schied Stirling Moss (Maserati) mit technischen Defekt (Lagerschaden) aus. Karl Kling, als letzter gestartet, hatte sich in der zweiten Runde bereits bis auf den 7. Platz vorgekämpft. Mike Hawthorn stellte seinen Ferrari mit Motorschaden nach der 4. Runde in der Box ab. In der 5. Runde verlor Paul Frère an seinem Gordini ein Rad. Seinen Teamkollegen Clemar Bucci ereilte das gleiche Schicksal in der 9. Runde. Von 4 gestarteten Gordini erreicht nur Jean Behra das Ziel. Am Ende der 7. Runde fuhr Hans Hermann an die Box und musste wegen einer undichten Benzinpumpe aufgeben. Karl Kling fuhr weiterhin ein beeindruckendes Rennen und lag in der 12. Runde bereits an zweiter Stelle. Eine Runde vorher war Hermann Lang am Flugplatz ins Schleudern geraten und würgte den Motor ab. Er konnte den Wagen nicht mehr starten und gab auf. In der 16. Runde lag Karl Kling mit 4 Sekunden Vorsprung vor Juan Manual Fangio an der Spitze. Mercedes-Teamchef signalisierte Karl Kling, dass er langsamer fahren sollte. Am Ende der 16. Runde übernahm Mike Hawthorn den Wagen von Froilan Gonzales. Juan Manuel Fangio eroberte sich die Spitzenposition in der 19. Runde zurück. Erst 1:30 Minute dahinter überquerte Karl Kling die Ziellinie, deutete auf ein Hinterrad und verschwand wieder in der Südkehre. Die Hinterradaufhängung war defekt. In der folgenden Runde steuerte Karl Kling die Mercedes-Box an. Die Mercedes-Boxencrew stürzte sich auf den Wagen, aber auch viele Fotografen. Rennleiter Alfred Neubauer erstritt mit einem Flaggenstock den notwendigen Arbeitsplatz für die Mechaniker. Wie erst nach dem Rennen bekannt wurde, legte Karl Kling ein höheres Renntempo vor, da eine Benzinleitung undicht war und er Zeit für das Nachtanken herausholen wollte. Die Sprit aus der undichten Benzinleitung schlug Karl Kling durch die rotierende Bremstrommel wie ein Sprühregen ins Gesicht. Um von den Dämpfen nicht ohnmächtig zu werden, nahm Karl Kling den Schwamm für seine Rennbrille als "Filter" in den Mund. Während des Boxenstopps konnten Mike Hawthorn und Maurice Trintignant an Karl Kling vorbeiziehen. Nach dem Boxenstopp von Karl Kling reduzierte Juan Manuel Fangio das Tempo fuhr einem ungefährdeten Sieg entgegen.

 

Hans Hermann mit dem Stromlinien-Mercedes im Hatzenbach In der Hatzenbach standen die Zuschauer rechts und links der Rennstrecke. 

 

Zwei Mercedes W196 im Hatzenbach.
Juan Manuel Fangio

 

Im Hintergrund der Stromlinien-Mercedes von Hans Hermann.

 

Im oberen Bildabschnitt ist ein Zeppelin zu erkennen.

 

Hermann Lang drehte sich im Streckenabschnitt Flugplatz und würgte dabei den Motor ab. Er konnte den Wagen nicht mehr starten und gab auf. Hermann Lang wurde vom Publikum mit Applaus belohnt. Der Große Preis von Europa war sein letztes Rennen.

 

Der Mercedes-Monteur Hugo Müller überprüfte den Rennwagen von Hermann Lang an der Rennstrecke.

 

Der englische Mercedes-Club war mit Oldtimern zum Ring gekommen.
Volles Haus am Ring. Ein Streckensprecher steht über allem. Das Rennen ist gelaufen und die Schlacht auf den Zuschauerrängen geschlagen.

 

Blick auf Streckenabschnitt Flugplatz.

 

Quiddelbacher Höhe und Flugplatz während des Rennens der Seriensport- und GT-Wagen und Rennsportwagen.

 

Großer Preis von Europa

22 Runden à 22,810 km = 501,820 Kilometer
Platz Startnr. Fahrer Marke Zeit Ø km/h Runden
1 18 Juan Manuel Fangio Mercedes W196 3:45:45,8 133,5 22
2 1 Froilan Gonzales/Mike Hawthorn Ferrari 625 3:47:22,3 132,4 22
3 2 Maurice Trintignant Ferrari 625 3:50:54,4 130,4 22
4 19 Karl Kling Mercedes W196 3:51:52,3 129,8 22
5 7 Sergio Mantovani Maserati 250F 3:54:36,3 128,3 22
6 4 Piero Taruffi Ferrari 625     21
7 15 Harry Schell Maserati 250F     21
8 25 Louis Rosier Maserati     21
9 24 Robert Manzon Ferrari     20
10 9 Jean Behra Gordini T16     20
Schnellste Runde: Karl Kling, Mercedes W196, 9:55,1 Minuten =  Ø 138,0 km/h

 

Ausfälle

Startnr. Fahrer Marke Runden Grund
14 Prince Bira Maserati 250F 18 Lenkung
21 Hermann Lang Mercedes W196 10 Unfall
11 Clemar Bucci Gordini T16 8 Rad verloren
22 Theo Helfrich Klenk-Meteor 8 Motorschaden
20 Hans Herrmann Mercedes W196 7 Kraftstoffleitung
10 Paul Frere Gordini T16 4 Rad verloren
8 Roberto Mieres Maserati 250F 2  
16 Stirling Moss Maserati 250F 1 Lagerschaden
12 Andre Pilette Gordini T16 0 Aufhängung

:
Für die Bilder und Informationen zum Großen Preis von Europa 1954 bedanken wir uns bei:
- Veit Arenz
- Ingo Horsch
- Bernhard Völker

Quellen: Programmheft, adac motorwelt, Tageszeitung, auto mobil sport, auto-kraftrad, Richard von Fankenberg "Mein geliebter Sport"

 
Veröffentlichung: 23. August 2012
Letzte Aktualisierung: 14. Februar 2013
Copyright: Burkhard Köhr

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